© 2005 www.tuebingen.de | Gyroskop![]() Gyroskop
![]() Johann Gottlieb Friedrich von Bohnenberger
![]() Fliegerhorizont nach Anschütz
![]() Künstlicher Horizont
Das Gyroskop
Aus der physikalischen Sammlung des Keplergymnasiums in Tübingen - Modell zur Demonstration der Lage der Erdachse im Raum.
Die an den Polen abgeplattete Elfenbeinkugel verkörpert das Rotationsellipsoid der Erde, die frei im All um die Sonne kreist. Mit einer Seidenschnur wie ein Kreisel in schnelle Umdrehung gebracht, verhält sich die schräge Lage der so simulierten Erdachse konstant in ihrer Relation zur Sonne. Dies erklärt den Wechsel von Sommer und Winter.
Beschwert man die Aufhängung der Achse durch ein kleines Gewicht, so bewegt sich die rotierende Erdachse langsam im Kreis und beschreibt dabei in 26.000 Jahren einen Kegel (Präzession der Erdachse). Schon Hipparch beobachtete diese langsame Verlagerung der Aequinoctialen und des Polarsterns, verursacht durch die Anziehungskraft von Mond und Sonne auf die im Äquator wulstförmige Erdmasse.
Der Begriff 'Gyroskop' wurde 1852 von Léon Foucault eingeführt für Instrumente zur Beobachtung von Drehungen.
Technische Bedeutung des Gyroskopes
Auch der "künstliche Horizont", ohne den die Navigation moderner Flugzeuge nicht auskommt, beruht auf der Technik, die mit dem Gyroskop vorweg genommen wurde. Um Satelliten im all richtig ausrichten zu können, wurden Stellräder konstruiert – auch diese beruhen auf Bohnenbergers Erfindung.
Bohnenbergers bekannteste Leistung ist die 'Große Landesvermessung' des neuen Königreiches Württemberg, die unter seiner Leitung im Jahr 1818 begonnen wurde, mit ihrem Nullpunkt im Schlossturm. In dem aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Mechaniker Johann W.G. Buzengeiger (1778-1836) fand Bohnenberger einen kongenialen Meister, der ihm die Toisen zur Landesvermessung, eine astronomische Uhr mit Kompensationspendel, ein Barometer zur Höhenmessung und eben auch das Gyroskop herstellte, angeboten ‘um den Preis von 18 Gulden sehr genau und niedlich verfertigt‘.
nach Dr. Alfons Renz, Fundus Tübinger Wissenschaftsgeschichte und einem Vortrag von Prof. Dr. Jörg. F. Wagner |