© 2005 www.tuebingen.de | Geschichte von Bühl Das um 1550 durch David von Stein errichtete Bühler Schloss; Foto: Erich Sommer
![]() Ein vorbildlich renoviertes Gebäude mit alemannischem Fachwerk am Bühlertalbach; Foto: Erich Sommer
![]() Fratzen an der Nordseite des Schlosses. Sie dienten als Vorlage für die Fasnetsfigur, der Drotzer; Foto: Erich Sommer
Das steinerne Brückle im Dorfkern von Bühl; Foto: Erich Sommer
Der Name "Bühl" ist vermutlich auf den südwestlich des Dorfes gelegenen "Bühlrain" zurückzuführen, auf dem Ende des 19. Jahrhunderts ein Reihengräberfeld entdeckt wurde. Um 1100 wurde die Siedlung dann erstmals schriftlich als "Buhile" erwähnt. Seit dieser Zeit ist auch ein Ortsadel "von Bühl" bekannt. In der Folgezeit traten dann die Grafen von Hohenberg aus dem nahegelegenen Rottenburg als Lehensherren von Bühl auf.
Nach dem Tod des kinderlosen Balthasar von Bühl, der mehrfach in der Zimmer'schen Chronik Erwähnung fand, wurde das Dorf nach langwierigen Erbauseinandersetzungen zwischen den Familien "Ehingen zu Kilchberg" und "von Stein" geteilt. Um 1550 ließ David von Stein einen Vorgängerbau zu dem Renaissance-Schloss in seiner jetzigen Gestalt um- und ausbauen. In der Folgezeit mussten die Bewohner der beiden Ortshälften mehrfach die Konfession wechseln und zwar je nach dem Glauben des für sie zuständigen Ortsherrn.
Nachdem das Haus Habsburg die beiden Lehen wieder eingezogen bzw. zurückgekauft hatte, wurde Bühl 1675 dem Jesuitenorden verpfändet und 1744 als Lehen überlassen. Die frommen Patres brachten Bühl eine strenge Herrschaft, aber auch einen wirtschaftlichen Aufschwung. So richteten die Jesuiten im Schloss eine bald weithin bekannte Brauerei ein, betrieben intensive Land- und Forstwirtschaft und initiierten die erste Neckarkorrektur.
1773 wurde der Orden aufgehoben und das Lehen wieder eingezogen. 30 Bühler Bürger pachteten nun das Schloss samt Herrschaftsgut, die Gerichtsbarkeit ging nach Rottenburg. 1806 wurde Bühl württembergisch und kam zum Oberamt Rottenburg.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts nahm die bis dahin konstant angewachsene Bevölkerungszahl durch eine Auswanderungswelle nach Nordamerika spürbar ab, so dass erst 1939 wieder der Stand von 1880 mit 550 Einwohner erreicht wurde.
Seit 1938 gehört Bühl zum Landkreis Tübingen und am 1. Juli 1971 wurde Bühl nach Tübingen als Stadtteil eingegliedert.
Mitten im Dorf steht das alte "steinere Brückle". Von dort aus wird alljährlich in der Fasnetszeit der traditionelle Narrensprung in den Bühlertalbach absolviert. |