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Geschichte von Derendingen

Derendingen wird zum Jahre 1089 in den Zwiefalter Chroniken erstmals urkundlich erwähnt. Archäologische Funde aus dem 7. Jahrhundert sowie die Endung des Ortsnamens auf "íngen" weisen jedoch auf eine ältere Besiedlung hin. Bestätigt wird dies durch Untersuchungen der Fundamente der Pfarrkirche St. Gallus.

 

Der Ortsname erscheint in den Berichten mit "Taredingin" bzw. "Tarodingin", als Graf Luitold von Achalm bei der Gründung des Klosters Zwiefalten diesem die Hälfte des Dorfes schenkte. Über den anderen Teil des Dorfes verfügten die Pfalzgrafen von Tübingen. Verarmt verkauften sie 1342 ihren Derendinger Besitz an die Grafen von Württemberg. Die politische Verwaltung für das ganze Dorf übernahm das Haus Württemberg schon im 15.Jahrhundert.


1534 wurde die württembergische Dorfhälfte reformiert. Die Württemberger Herrschaft gewährte dem slowenischen Reformator und Bibelübersetzer Primus Truber in Derendingen Obdach und setzte ihn 1567 als Gemeindepfarrer ein. Er starb am 28.06.1586 in Derendingen. Sein Grab wurde lange Zeit im Chor der Pfarrkirche St. Gallus vermutet, wo sich bis heute eine Gedenkplatte befindet. Neuere archäologische Forschungen haben jedoch ergeben, dass diese Grabstätte bereits im 15. Jahrhundert angelegt wurde. Heute nimmt man an, dass Truber auf dem Kirchhof bestattet wurde; wo, bleibt unbekannt.


Um Württembergs Zustimmung zur Erhebung des Klosters in den Stand eines Reichsklosters zu erhalten, übergab das Kloster Zwiefalten 1750 sämtliche Derendinger Besitztümer an die Württemberger. Damit war Derendingen zwar politisch geeint, konfessionell konnten aber die früheren katholischen Klosteruntertanen ihren Glauben behalten. Doch die bis dahin simultan genutzte Kirche wurde dadurch evangelisch.

 

Eine interessante Derendinger Persönlichkeit war der Afrika-Missionar Johann Ludwig Krapf, der 1810 in Derendingen geboren und aufgewachsen ist. Er verfaßte eine der ersten Afrika-Reisebeschreibungen rund um den Kilimandscharo in Kenia.

 

Bis ins 19.Jahrhundert hinein wurde das Dorf Derendingen wirtschaftlich von der Landwirtschaft bestimmt. Eine Mühle stand in der unmittelbaren Nähe des jetzigen Rathauses an der Stelle des Kinderhauses "Alte Mühle". Erst mir der Gründung der Ölmühle Wohlboldt (1815) begann die Industrialisierung, die auch Veränderungen in der Wohn- und Sozialstruktur des Ortes auslöste. Die 1869 fertiggestellte Bahnlinie und der 1895 erbaute Bahnhof sowie die Versorgung mit Elektrizität, Wasser und Gas anfangs des 20. Jahrhunderts begleitete in Derendingen die zunehmend industrielle Entwicklung, die auch nach dem Ersten Weltkrieg eine verstärkte Fortsetzung fand.

 

Im Jahre 1934 wurde Derendingen in die Stadt Tübingen eingemeindet. Ein Beschluss, der vor allem beim Aufbau nach dem Zweiten Weltkrieg nachhaltigen Einfluss auf die Infrastruktur Derendingens hatte. Am 19.04.1945 marschierten französische Besatzungstruppen in Derendingen ein. Der Zustrom von Flüchtlingen ließ auch die Derendinger Bevölkerung anwachsen.


Neue Wohn- und Gewerbegebiete, behördliche Einrichtungen und ein ausgedehntes Schul-, Sport- und Bildungszentrum werten nun den Stadtteil erheblich auf. Damit sind günstige Gegebenheiten für die Bürger/innen Derendingens und der Universitätsstadt Tübingen geschaffen, die viele Möglichkeiten der weiteren Entfaltung Derendingens offen lassen.

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