© 2005 www.tuebingen.de | Eine Tübinger Oper: Il Cacciatore delusoDas Rathaus - vor mehr als einem halben Jahrtausend aus Schönbucheichen errichtet - gehört nicht zu den klassischen Orten, an denen in Tübingen Musik erklingt. Dabei wird niemand bestreiten, dass im Großen Sitzungssaal des Gemeinderates allemal die Musik spielt und schon so manche große Arie gesungen wurde. Die Akustik ist jedenfalls gut und wie geschaffen für eine gemeinsame Veranstaltung des Kulturamts und dessen Abteilungen Stadtbücherei, Stadtmuseum und Stadtarchiv.
Vor über 200 Jahren gab es in Tübingen ein kleines Opernhaus. Herzog Carl Eugen hatte es vor dem Lustnauer Tor für seine Zwecke einrichten lassen. Am 4. November 1767 wurde es mit der Uraufführung von Niccolò Jommellis Oper "Il cacciatore deluso" eingeweiht. Jommelli zählte damals zu den bekanntesten Komponisten in Europa und die Stuttgarter Hofmusik unter seiner Leitung galt als eine der besten in Deutschland. Als Jommelli kurze Zeit später Württemberg im Streit verließ und wieder nach Italien zurückkehrte, musste er zuvor seine Notenhandschriften abliefern. Nur seine Tübinger Oper konnte er offenbar heimlich außer Landes schaffen. Sie ist deshalb nicht in der Stuttgarter Landesbiblothek überliefert. Bei einer Recherche des Stadtarchivs Udo Rauch konnte das Werk jetzt in einer Bibliothek in Lissabon ermittelt werden. Bei der Kulturnacht erklingen daraus - erstmals nach 240 Jahren - ausgewählte Arien.
Ausführende: Heimsheimer Streicherensemble unter der Leitung von Till Weibel, Johanne Küenzlen, Sopran.
Zwischen den Arien liest Eckhard Frahm aus zeitgenössischen Texten des Stadtchronisten Friedrich August Köhler, die meist in einem herben Kontrast zur edlen Musik stehen. Der Musikwissenschaftler Professor Manfred Hermann Schmid führt in die Musik Jommellis ein.
Programm zur Kulturnacht, Eintrittsbänder [ www.kulturnacht-tuebingen.de ]
Udo Rauch: Eine Oper für Tübingen
Biografie von Niccolò Jommelli
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