© 2005 www.tuebingen.de | Fräulein Julie im ZimmertheaterSchweden, Mittsommernacht, ein Fest auf dem Lande. Und gleichzeitig eine menschliche Tragödie, die Strindberg in seinem Einakter virtuos entwickelt. Der Autor selbst bezeichnet seine Figuren als „moderne Charaktere“, die „in einer Übergangszeit leben, die rascher und hysterischer ist als die vorausgeganene“. Eine moderne Tragödie also, eine zeitlose gar.
Doch zum Beginn. Mittsommernacht also. Grafentochter Julie – in übermütiger Tanz- und Rauschlaune – findet im Bediensteten Jean das passende 'Opfer', um ihrem Spieltrieb, es geht in erster Linie um Machtspielchen, freien Lauf zu lassen. Jean erweist sich zunächst, zum einen seiner Herrin pflichtbewußt gehorchend, zum anderen auch von deren jugendlich-frechen Charme angestachelt, als williger Mitspieler. Er schenkt Fräulein Julie auf deren Drängen hin den Tanz, den er eigentlich seiner Verlobten Kristin, der Köchin des Hauses versprochen hat. Doch beim Tanz bleibt es nicht. Und auch nicht beim Spiel. Aus rauschhaft spielerischem Gefrotzel wird gefährlicher Ernst. Es kommt zu einem Moment des gegenseitigen Erkennens, in dem Julie und Jean sich ihre eigentlichen Träume offenbaren. Und mit einem Mal stehen sich zwei Menschen gegenüber, die trotz stärkster Gegensätze eines gemeinsam haben: Die Sehnsucht nach dem Extrem. Doch die jeweiligen Extreme divergieren: Jean, als Kind eines Taglöhners geboren, strebt nach ganz oben und scheut, um sein Ziel zu erreichen, weder Mühen noch Aufwand. Julie privilegiert geboren, zieht es nach unten, in eine ihr selbst ungewisse Tiefe.
Es sind die immerwährenden Motive von Aufstieg und Fall, Macht und Unterlegenheit, Herrschaft und Knechtschaft, Geschlecht, Glaube und Schicksal, die sich hier spiegeln und letztendlich zu einem erbitterten Kampf führen. Ein Kampf, in dem weder die stolze Grafentochter noch der stolze Diener zu unterliegen bereit sind. Nach einer rauschhaften Vereinigung, durch die sich Julie und Jean die Rückkehr in den Alltag versperren, ist das „Fest der unschuldigen Spiele“ endgültig vorbei. Die Küche der im Nebenzimmer schlafenden Kristin wird – im wahrsten Sinne des Wortes – zum Schlachtfeld.
'Fräulein Julie' hat am Samstag, 8. Dezember 2007 um 20.00 Uhr im Gewölbe des Zimmertheaters Premiere. Weitere Vorstellungen am 12., 15., 16. und 27. Dezember 2007.
Regie: Axel Krauße Ausstattung: Odilia Baldszun Es spielen: Hannah Kobitzsch, Nicole Schneider und Robert Arnold Karten gibt es unter 07071-9273-0 und unter [ www.zimmertheater-tuebingen.de ]
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