Objekt des Monats

Jeden Monat aufs Neue stellt das Stadtmuseum einen besonderen Gegenstand aus seiner Sammlung aus, oft passend zur aktuellen Ausstellung. Das Objekt des Monats befindet sich derzeit im Fenster des Stadtmuseums. Es kann von der Kornhausstraße aus betrachtet werden. Die Exponate der vergangenen Jahre finden sich im Archiv.

Exlibris der jüdischen Künstlerin Agnes Meyerhof

Jeden Monat zeigt das Stadtmuseum einen oder mehrere besondere Gegenstände aus seiner Sammlung in der Außenvitrine links neben dem Eingang. Im März sind dort zwei Exlibris zu sehen, auf die die Provenienzforschung aufmerksam wurde. Seit 2015 sucht das Stadtmuseum nach NS-Raub- und Beutekunst in seinen Beständen – also nach Kunst und Kulturgut, das einst jüdischen Bürgerinnen und Bürgern gehörte, die im Nationalsozialismus verfolgt und enteignet wurden. Ziel ist es, diese Objekte an die rechtmäßigen Erben oder deren Nachfahren zurückzugeben.

Bei dieser Suche ist die Provenienzforscherin Aileen Becker auf verdächtige Exlibris gestoßen. „Exlibris sind kunstvolle Druckerzeugnisse zur Kennzeichnung von Büchern. Sie wurden gerne gesammelt, verschenkt oder getauscht“, erklärt Becker. 1988 kaufte das Stadtmuseum Hunderte solcher Exlibris im Kunsthandel. Darunter befinden sich einige Exemplare der Künstlerin Agnes Meyerhof, die sie für sich selbst angefertigt hatte. Ein Exlibris zeigt einen Mann, der Flöte spielt und sich mit einem Arm auf einer Säule abstützt. Er trägt lediglich ein Tuch um seine Hüften. Das andere Exlibris zeigt einen Tukan, der in seinem Schnabel einen Pinsel hält und auf einem Buch sitzt.

Agnes Meyerhof ist vor allem für ihre Tierdarstellungen bekannt. Die Künstlerin wurde 1856 in Hildesheim als Tochter eines jüdischen Kaufmanns geboren und lebte und arbeitete später in Frankfurt am Main. Ihre Inspiration gewann sie aus dem dortigen Palmengarten oder dem zoologischen Garten. Mit 86 Jahren wurde sie 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet.

„Agnes Meyerhof erlitt aufgrund ihrer jüdischen Herkunft furchtbares Unrecht bis zum brutalen Mord“, berichtet Aileen Becker. Deswegen bestehe der Verdacht, dass ihre Exlibris unrechtmäßig den Besitzer gewechselt haben. Das Stadtmuseum Tübingen hat daher die Werke über das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste als verdächtige Funde gemeldet. Im Internet unter www.lostart.de kann jeder, der etwas über die Geschichte der Objekte weiß, zur Aufklärung beitragen.