Objekt des Monats

Jeden Monat aufs Neue stellt das Stadtmuseum einen besonderen Gegenstand aus seiner Sammlung aus, oft passend zur aktuellen Ausstellung. Das Objekt des Monats befindet sich seit Dezember 2019 im Foyer des Stadtmuseums. Zuvor war es in der Vitrine links neben der Eingangstüre zu sehen. Die Objekte der vergangenen Jahre finden sich im Archiv.

Objekt des Monats Mai:
Schreibmaschine mit hebräischer Tastatur

Das Objekt des Monats Mai steht in der Außenvitrine links neben dem Eingang. Zu sehen ist eine Reiseschreibmaschine mit hebräischer Tastatur aus dem Jahr 1939, mit deren Herkunft sich die sogenannte Provenienzforschung befasst hat. Im Mittelpunkt der Provenienzforschung steht die Herkunft von möglichem Raubgut aus der Zeit des Nationalsozialismus. 

Die Reiseschreibmaschine Typ Erika Nr. 5 der Firma Seidel & Naumann aus Dresden wurde 1939 hergestellt, das ergab die Recherche anhand der Produktionsnummer. Die hebräische Tastatur machte sie in der Zeit des Nationalsozialismus zu einer großen Besonderheit. Das Stadtmuseum erhielt die Schreibmaschine von Dr. Matthias Morgenstern, Professor am Seminar für Religionswissenschaften und Judaistik an der Universität Tübingen, um deren Vorbesitzer zu ermitteln.

Ein Verweis Morgensterns auf eine Korrespondenz zwischen dem damaligen Universitätsrektor und dem Mannheimer Polizeipräsidenten der „Verwertungsstelle für das Vermögen der ausgewiesenen Juden“ legte eine kritische Herkunft der Schreibmaschine nahe: Die Universität tat sich während des Nationalsozialismus durch ihre rassistischen und judenfeindlichen Forschungen hervor. Sie suchte für das entstehende Institutum Judaicum eine Schreibmaschine mit hebräischer Tastatur und bat die badische Polizeidienststelle, sich bei einem Fund zu melden. In einem Schreiben vom 22. Januar 1942 bot der Polizeipräsident dem Universitätsrektor eine Schreibmaschine für 231 Reichsmark an.

In Mannheim wohnten im Winter 1941/42 nur noch wenige Juden. Es wurden Erlasse verfasst, die den Juden das Letztverbliebene nahmen, unter anderem Bürogeräte. Das Generallandesarchiv in Karlsruhe ist im Besitz von rekonstruierten Akten und Wiedergutmachungsakten aus Nordbaden, in denen Schreibmaschinen aufgeführt sind. In den 40 Wiedergutmachungsakten werden vier Personen in Mannheim genannt, denen unrechtmäßig eine Schreibmaschine vom Typ Erika Nr. 5 abgenommen wurde und die diese wiedererlangen wollen. Die Schreibmaschine ist unter der Lost-Art-ID 585327 in der Datenbank für Raubgut aus dem Nationalsozialismus gemeldet. Weitere Informationen sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt. Das Stadtmuseum freut sich über Hinweise.