Am Rand wird's interessant

Anders wohnen im Tübinger Süden:
Französisches Viertel, Wennfelder Garten, Wagenburgen

Sonderausstellung

23. Juni bis 28. Oktober 2018
Erdgeschoss

Von der unattraktiven Randlage zu innovativen Wohnkonzepten: Dem Französischen Viertel, dem Wennfelder Garten und den Wagenburgen widmet das Stadtmuseum eine Sonderausstellung. Sie wurde gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern vor Ort entwickelt und beleuchtet Wohnutopien und Lebenswirklichkeiten in den drei Quartieren.

„Im Tübinger Süden grenzen drei sehr unterschiedliche Quartiere mit spezifischen Identitäten direkt aneinander. In wohl kaum einer anderen Gegend der Region ist eine so große Vielfalt an unterschiedlichen Lebensstilen und Lebenswelten auf engstem Raum zu finden“, erläutern die Ausstellungskuratoren Guido Szymanska und Daniela Übelhör.

Zwei Flüsse, eine Bahnlinie und zwei Bundesstraßen trennen den südöstlichen Stadtrand Tübingens von der Altstadt. Jahrzehntelang diente er als Sammelbecken für alles, was in der altehrwürdigen Universitätsstadt unerwünscht war: Gaswerk, Militär – und auch die vom sozialen Wohnungsbau geprägte Siedlung Wennfelder Garten, die in den 1950er- und 1960er-Jahren entstand.

Mit der Auflösung der französischen Garnison 1991 begann ein gewaltiger Umgestaltungsprozess. In der bis dahin unattraktiven Randlage entstanden mit dem Französischen Viertel und den Wagenburgen neue Quartiere, die Raum boten für innovative Ideen des Wohnens und Zusammenlebens. Das Gebiet auf und neben der früheren Hindenburgkaserne wurde zum Experimentierfeld. Abenteuerlustige setzten alternative Lebensentwürfe um, Wohnungssuchende wagten gemeinschaftsbasierte Wohnformen, eine fortschrittliche Stadtplanung erprobte neue Konzepte für den Umgang mit Brachflächen. Seit einigen Jahren wandelt sich auch der Wennfelder Garten: Alte Gebäude werden abgerissen, neue Bewohnergruppen ziehen ins Viertel.

Die Ausstellung präsentiert die Ergebnisse eines Partizipationsprojekts mit vielen Kooperationspartnern und Menschen aus den drei Quartieren. Die Leitfragen waren: Was zeichnet Leben und Alltag im Französischen Viertel, im Wennfelder Garten und in den Wagenburgen aus? Wie haben sich Mentalitäten entwickelt? Wie gestaltet sich das Zusammenleben innerhalb der Viertel und quartiersübergreifend? Klischees über die Bewohner werden einem Realitätstest unterzogen, Außendarstellungen von Stadtplanern, Wissenschaftlern und Medien um eine Selbstdarstellung ergänzt.

Bildergalerie zur Ausstellung

Im Sommer 2017 war das Stadtmuseum mit dem mobilen Wohnzimmern in den drei Quartieren unterwegs. Vor Ort kam das Projektteam mit den Bewohnern ins Gespräch.

Bild: Stadtmuseum TübingenViele Veranstaltungen lockten die Bewohner im Sommer 2017 ans mobile Wohnzimmer. Von Theater über Live-Radio bis hin zu einem Markt für Selbermacher war ein abwechslungsreiches Programm geboten.

Bild: Stadtmuseum TübingenDie Sozialsiedlung „Backofen“, ehemals am Ende der Straße Wennfelder Garten gelegen, bestand aus Einfachstwohnungen für arme und sozial schwache Familien. Die meisten Häuser wurden in den 1970er-Jahren abgerissen.

Bild: Stadtarchiv TübingenIm Wennfelder Gartenhaus, einer kleinen Baracke, wurden Gottesdienste gefeiert, es gab Kinderbetreuung, Jugendangebote und VHS-Kurse für Groß und Klein. Das Haus war lange Zeit der wichtigste Ort für sozialen Austausch im Wennfelder Garten.

Bild: Kirch am Eck TübingenIn den beiden Wagenburgen „Kuntabunt“ und „Bambule“ leben zusammen etwa 45 Personen. Ihr Alltag beinhaltet viel Eigenarbeit rund um ihr Zuhause – vom Wasserholen bis zum Abdichten des Daches. Im Gegenzug wohnen sie sehr günstig und naturnah.

Bild: Christian SautermannEin Blick ins Innere eines Wagenburg-Wagens: Küche, Bad, Schlaf-, Ess- und Wohnzimmer passen hier auf unter 20 Quadratmeter.

Bild: Christian SautermannDie Panzerhalle ist ein wichtiger Treffpunkt für das Französische Viertel, aber auch für die Nachbarquartiere. Die überdachte, an den Seiten offene Halle ist vielseitig verwendbar.

Bild: Armin ScharfParken im Französischen Viertel – seit dem Entstehen des Quartiers ein Diskussionsthema für Bewohner, Gäste und Kunden.

Bild: Hans Stoiber