Queer durch Tübingen

Geschichten vom Leben, Lieben und Kämpfen

25. September 2021 bis 13. März 2022

Die Ausstellung zeigt die queere Geschichte Tübingens anhand von 24 Biografien: von König Karl von Württemberg bis zur Schauspielerin Maren Kroymann, von Regenbogenfamilien bis zu jungen trans*Menschen. Jede der Biografien repräsentiert einen Aspekt queerer Geschichte und queerer Themen. Sie stehen für Repression, Verfolgung, Emanzipation, juristische Lockerungen oder medizinische Möglichkeiten. Damit zeigen sie gleichzeitig die vielen Facetten von Queerness jenseits der bloßen sexuellen Orientierung. Dokumentiert sind diese Biografien anhand von Fotos, Büchern und Erinnerungsstücken, die das Stadtarchiv im Rahmen seines gleichnamigen Forschungsprojekts recherchiert und zusammengetragen hat. Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld stellte ausführliche Interviews mit sechs queeren Tübinger Personen zur Verfügung, die deren Lebenssituation noch einmal greifbarer machen. 

Zusätzlich stellt die Präsentation erstmals die queere Geschichte Tübingens seit dem 16. Jahrhundert zusammen und bietet einen Überblick über Verfolgung, Strafen, politische Bewegung, Rechtsprechung bis hin zu Emanzipation und Initiativgruppen. Sie beginnt im 16. Jahrhundert mit der Sodomie, der Bestrafung aller sexuellen Handlungen, die nicht der Fortpflanzung dienten. Dann führt sie über die Einführung des §175 im Jahr 1871, dessen Verschärfung während des NS-Zeit und der endgültigen Streichung im Jahr 1994 bis hin zur Ehe für alle ab dem Jahr 2017. Neben den juristischen Fakten zeigt der Überblick gesellschaftliche wie kulturelle Phänomene queeren Lebens auf, beschreibt die Schwulen- und Lesbenbewegung der 1960er- bis 1980er-Jahre und die Einführung der Kategorie „divers“.

Ein Begleitprogramm mit Vorträgen, Führungen und Diskussionen wird während der Laufzeit der Ausstellung angeboten.

Mein queeres Auge. Aus der Sammlung Claudia Gehrke
Kunst im Dialog mit dem Stadtmuseum

25. September 2021 bis 31. Januar 2022

Die Ausstellung „Mein queeres Auge“ ist ein Ausschnitt aus der Kunstsammlung der Verlegerin und Publizistin Claudia Gehrke. 1978 gründete sie in Tübingen den konkursbuch Verlag mit den Schwerpunkten Literatur, Queer-Kultur, Erotik, Kunstkataloge und Reiselesebücher. Wert legt sie auf eine sorgfältige grafische Gestaltung ihrer Bücher. Gleich der erste Band der Reihe konkursbuch war mit Bildern illustriert. Seit Beginn ihrer Verlagstätigkeit pflegt Claudia Gehrke intensive Kontakte zu Künstler_innen und sammelt deren Arbeiten, die sie bislang nur in einem kleinen Rahmen der Öffentlichkeit präsentierte. Aus dieser umfangreichen Sammlung sind Acrylarbeiten, Fotografien, Zeichnungen und Drucke zu sehen.

Bildergalerie zu den Ausstellungen

Gustav Heinemann (Bundesjustizminister) und Kurt Georg Kiesinger (Bundeskanzler) liberalisieren den §175 – sind aber nicht einer Meinung. Karikatur: Fritz MeinhardMaren Kroymann, offen lesbische Schauspielerin und Kabarettistin. Bild: Mathias BothorValentin Floß, offen transsexuell. Bild: Markus MaurerAlexis W., Lesbisches Paar, aus der Serie: „Meine Sammlung von Lebensgeschichten“, 2010Alexis W., Paar, aus der Serie: „Meine Sammlung von Lebensgeschichten“, 2010