Eingänge 1933 bis 1945

In den 1930er- und 1940er-Jahren wurden diverse Objekte angekauft, für deren genaue Herkunft es keinen Vermerk in den Inventar- und Eingangsbüchern des Stadtmuseums gibt. Häufig findet sich nicht einmal der Name des Verkäufers. Das Stadtmuseum will nachweisen oder ausschließen, dass Besitztümer in die städtische Sammlung eingegangen sind, die zuvor unter Zwang entäußert werden mussten. Deshalb recherchiert es nach den Vorbesitzern und dem Hintergrund der Veräußerung.

Alle Objekte dokumentiert

Für die Zeit zwischen 1933 und 1945 hat das Stadtmuseum in seinen Inventar- und Eingangsbüchern 334 Einträge mit mindestens 917 Objekten verzeichnet. Dr. Andrea Richter hat alle Objekte erfasst und ausführlich dokumentiert. Dabei recherchierte sie die Einlieferer aus Tübingen in den Adressbüchern und im Melderegister im Tübinger Stadtarchiv. Informationen zu den Einlieferern aus Stuttgart waren in den Einwohnerbüchern und in der Meldekartei im Stadtarchiv Stuttgart zu finden. Das Ergebnis:

  • 144 Einträge waren Schenkungen mit Angaben zum Schenker. Die meisten Schenker waren aus Tübingen stammende nichtjüdische Personen, darunter viele Hobbysammler, Witwen, Alleinstehende ohne Kinder und Erben von Nachlässen.
  • Neun Einträge waren Schenkungen ohne Angaben zum Schenker.
  • 37 Einträge waren Ankäufe mit Angaben zum Verkäufer (meist aus dem Kunsthandel).
  • 136 Einträge waren Ankäufe ohne Angaben zum Verkäufer.
  • Bei acht Einträgen gab es keine Angaben zu Kauf oder Schenkung.

Mindestens vier belastete Gegenstände

Für einige Objekte, die zwischen 1933 und 1945 ins Stadtmuseum kamen, besteht der Verdacht, dass sie unter Druck entäußert wurden:

  • Vier Gegenstände gelten nach den Recherchen von Dr. Andrea Richter als bedenklich. Dabei handelt es sich um eine Goldwaage, zwei Fernrohre und ein Büchlein zum Oberamt Tübingen. Die Fernrohre und das Buch konnten allerdings noch nicht in der Sammlung gefunden werden. Die Waage wurde am 7. November 2017 an die Nachfahren des Vorbesitzers zurückgegeben.
  • Bei 432 Objekten fehlen genügend Angaben, um eine Aussage dazu machen zu können, ob sie belastet oder unbedenklich sind. Sie bleiben offen, werden aber demnächst auf der Datenbank „LostArt“ als Fundmeldungen eingestellt.
  • 481 Objekte können als unbedenklich gelten. Dazu gehören vor allem Schenkungen mit insgesamt 317 Objekten, die zum Beispiel aus Nachlässen von Künstlerfamilien stammen oder als Ausgrabungsfunde in die Sammlung gekommen sind.
  • 222 Objekte konnten aber noch nicht in der Sammlung gefunden werden.