Weltkulturerbe

Tübingen - Bewerbung für die UNESCO-Welterbeliste

Die Universitätsstädte Tübingen und Marburg haben sich um die Aufnahme in die Welterbeliste beworben. Gegenstand des Antrags ist der einzigartige kulturelle Raum, der in beiden Städten durch die enge Verbindung von Stadt und Universität entstanden ist.

Die Kultusministerkonferenz hat in ihrer Sitzung am 12. Juni 2014 die Bewerbung von Marburg und Tübingen für Aufnahme als UNESCO-Welterbe nicht für die Tentativliste (Vorschlagsliste) des Bundes nominiert. Von den insgesamt 31 Bewerbungen aus den Bundesländern wurden lediglich neun für die Phase bis 2019 ausgewählt. Ursprünglich war eine deutlich umfangreichere Vorschlagsliste beabsichtigt worden.

 

Weitere Informationen zur Entscheidung der Kultusministerkonferenz

Pressemitteilung der Universitätsstadt Tübingen

Pressemitteilung der Universitätsstadt Marburg

 

Weitere Informationen zur Bewerbung Tübingens

Erstmals auf dem europäischen Kontinent entstand in Tübingen innerhalb weniger Jahre ab 1477 ein planmäßig angelegter Universitätsbezirk. Nirgends sonst bilden Bau- und Geistesgeschichte eine solch geschlossene zeitliche und räumliche Einheit wie bei dieser groß angelegten Baumaßnahme am Rande der Tübinger Altstadt. Die Gesamtanlage blieb bis heute erhalten und wird weiterhin von der Universität genutzt. Der weitsichtige Gründer war der württembergische Graf Eberhard im Bart. Bei der Gründung seiner Universität ließ er sich von humanistischen Gelehrten aus dem In- und Ausland beraten.

Tübinger Bewerbung (tentative list submission, englisch)

Gutachten zur Tübinger Bewerbung (englisch)

Die Marburger Internetseite zur gemeinsamen Bewerbung

Luftbild von Tübingen
Tübingen bewirbt sich gemeinsam mit Marburg für die Weltkulturerbeliste
Altstadt - Stiftskirche
Altstadt mit Stiftskirche und spätmittelalterlichem Universitätsviertel am Neckar. Die groß angelegte Baumaßnahme ab 1477 verwirklichte erstmals auf dem Kontinent zeitlich und räumlich geschlossen das Raumprogramm einer europäischen Universität.
Neckarfront mit Hölderlinturm
Weil das Baumaterial knapp war, wurde aus dem Schwarzwald viel Holz herbei geflößt. Hiermit konnten innerhalb weniger Jahre mehr als 50 neue Gebäude errichtet werden, darunter auch Wohnraum für Professoren und Handwerksbetriebe rund um die Universität.
Chorfenster der Stiftskirche
Im Chor der Stiftskirche tagten die Professoren bei Promotionen, Disputationen und anderen festlichen Anlässen. Die Kirchenfenster entstanden um 1480, zur Gründungszeit der Universität.
Alte Aula
Alte Aula und Kollegiengebäude von 1477. Architektur und Formensprache der privaten wie auch universitären Gebäude blieben protestantisch karg. Statt barocker Prachtentfaltung wurde im evangelischen Tübingen weltanschauliche Bescheidenheit geübt.
Karzer
Der älteste Studentenkarzer in Deutschland befindet sich in der Münzgasse 20, und zwar im Untergeschoss des 1491 erbauten Fakultätshauses,
Burse
Die Burse, 1478 bis 1480 errichtet, war das größte Gebäude der Universität.Es diente den 14- bis 16jährigen Studienanfängern als Schlaf-, Wohn-, Ess- und Arbeitsplatz, darunter auch Philipp Melanchthon.
Evangelisches Stift
Das Evangelische Stift wurde 1534 im ehemaligen Augustinerkloster gegründet. Es diente der Ausbildung evangelischer Geistlicher und ermöglichte den begabtesten Landeskindern ein kostenloses Studium, darunter Kepler, Hölderlin, Schelling, Hegel und Mörike.
Ritterakademie, heute Wilhelmstift
1594 entstand als weltliches Pendant zum evangelischen Stift die Ritterakademie (Collegium illustre). Hier lernte der prostestantische Adel Europas Reiten, Fechten und Ballspielen. Auch moderne Fremdsprachen und Geographie standen auf dem Lehrplan.
Hölderlinturm
Hölderlinturm am Neckar, Wohnort des Dichters Friedrich Hölderlin von 1807-1843. Eines von mehr als 50 Dichterhäusern in Tübingen.
Heckenhauer
Am Holzmarkt 5 (rotes Haus rechts) wurde Hermann Hesse von 1895 bis 1899 als Buchhändler ausgebildet. Die Heckenhauer’sche Buchhandlung beherbergt ab 2013 eine Hesse-Gedenkstätte.
Leonhard Fuchs im Nonnenhaus
Im Nonnenhaus am Ammerkanal wohnte Leonhard Fuchs, nach dem später die Fuchsie benannt wurde. Um 1540 richtete er hier einen der ersten Botanischen Gärten der Welt ein.
Schickhards Rechenmaschine
Die erste Rechenmaschine der Welt wurde von Wilhelm Schickard 1623 in Tübingen erfunden. Hier eine Rekonstruktion nach Unterlagen in seinem Nachlass.
Cotta-Häuser
Wohn- und Geschäftshäuser des Verlegers Johann Friedrich Cotta, der u.a. Goethe und Schiller verlegt. Die Universität war eingebettet in ein gewerblich, kulturelles Umfeld, das in seiner Ausprägung, Dichte und Vernetzung einzigartig war.
Rathausfassade (Ausschnitt)
Rathaus von 1435. Im 1508 aufgesetzten dritten OG tagte fast 300 Jahre lang das württembergische Hofgericht, überwiegend mt Juristen der hiesigen Universität besetzt. Die astronomische Uhr von 1511 stammt von J. Stöffler, Astronom der Universität.
Neue Aula
Ab 1841 ließ das Königreich Württemberg für seine Landesuniversität ein neues Quartier auf freiem Feld errichten: die Wilhelmvorstadt. Im Zentrum des klassizistischen Ensembles steht die Neue Aula von 1845.