Neues Museum zum Tübinger Stadtfriedhof
Pressemitteilung vom 24.04.2026
Die Geschichte des Tübinger Stadtfriedhofs und die Entwicklung der Trauerkultur sind die Themen einer neuen Dauerausstellung im Aufseherhaus, dem früheren Wohn- und Arbeitsort des Friedhofsaufsehers. Unter dem Titel „Tod und Erinnerung“ gibt das neue Stadtfriedhof-Museum Besucherinnen und Besuchern eine Orientierung für den eigenständigen Besuch des Friedhofs und bietet allerlei Wissenswertes zum Ort, aber auch zum Thema Sterben und Bestattung.
„Das Stadtfriedhof-Museum ist klein, aber fein. Es lädt zu vielseitigen Entdeckungen rund um den Stadtfriedhof ein, der zu den schönsten und historisch spannendsten Orten Tübingens gehört. Und zugleich bietet dieser Ort den Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, sich auf das Thema Tod einzulassen“, sagt die Tübinger Kulturbürgermeisterin Dr. Gundula Schäfer-Vogel. Das Stadtfriedhof-Museum ist Teil des Stadtmuseums Tübingen und ab Samstag, 25. April 2026, täglich geöffnet: zwischen April und September von 9 bis 18 Uhr, zwischen Oktober und März von 9 bis 16.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Der Stadtfriedhof ist seit 1829 der zentrale Begräbnisort Tübingens. Nach seiner Wiedereröffnung 2002 ist er heute sowohl ein Ort für Trauer und Erinnerung als auch ein Kulturdenkmal mit geschützter Parkanlage. Hier liegen Persönlichkeiten wie Friedrich Hölderlin, Ludwig Uhland, Josephine Lang und Carlo Schmid begraben. Über 900 Gräber stehen als Einzelkulturdenkmal aufgrund ihrer kunsthistorischen oder lokalgeschichtlichen Bedeutung unter Denkmalschutz. Da die Friedhofsverwaltung das frühere Aufseherhaus nicht mehr benötigt, entstand die Idee, hier eine thematisch passende Ausstellung einzurichten.
Das Museum stellt unter anderem berühmte Gräber auf dem Friedhof vor. Ein großes Reliefmodell bietet einen Überblick über die Anlage. Ein eigener Rechercheraum widmet sich den mehr als 1.000 Menschen, die zwischen 1933 und 1945 auf dem Gräberfeld X begraben wurden, darunter viele Opfer des nationalsozialistischen Regimes. „Dieser Teil der Ausstellung liegt mir besonders am Herzen“, betont Bürgermeisterin Schäfer-Vogel. „Er ergänzt die Bronzeplatten und das Gedenkbuch vor Ort und schafft einen Raum, sich mit der historischen Verantwortung Tübingens im Nationalsozialismus auseinanderzusetzen.“
Zur neuen Ausstellung im Stadtfriedhof-Museum gehört zudem ein interaktives Gerät, entwickelt vom Museum für Sepulkralkultur in Kassel, das zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod einlädt. Nutzerinnen und Nutzer können unter anderem in einem Online-Fragebogen festhalten, was nach dem eigenen Tod mit dem Körper und dem Nachlass passieren oder wie die eigene Trauerfeier gestaltet werden soll.
Entwickelt und umgesetzt haben die Ausstellung der städtische Fachbereich Kunst und Kultur und das Stadtmuseum Tübingen in Abstimmung mit Bernd Walter, Leiter der Tübinger Friedhofsverwaltung. Für die Ausstellungsräume im Erdgeschoss galten bei Konzeption und Gestaltung besondere Rahmenbedingungen: Auf einer vergleichsweise kleinen Nettofläche von rund 75 Quadratmetern, die in mehrere Bereiche gegliedert ist, sollte eine Ausstellung entstehen, die viele Inhalte verständlich vermittelt und zugleich niedrigschwellig bleibt. Da weder Aufsichtspersonal noch aufwändige Sicherungsmaßnahmen finanziell realisierbar sind, wurde auf originale Exponate verzichtet und eine pflegeleichte, strapazierfähige Möblierung gewählt.
Im Zuge der Sanierung konnte auch die Wohnung im ersten Obergeschoss, die überwiegend für den Aufenthalt der Lyrikerinnen und Lyriker des Stadtschreiber-Stipendiums genutzt wird, instandgesetzt werden. Zudem wurde eine neue, barrierefreie Toilettenanlage errichtet. Die Gesamtkosten betragen rund 1,4 Millionen Euro. Davon wurden 400.000 Euro aus Spenden der Wüstenrot-Stiftung, der GdF-Knapp-Stiftung und einer privaten Spenderin finanziert.
Stadtfriedhof-Museum
Gmelinstraße 20 (Zugang über den Stadtfriedhof)
April bis September: 9 bis 18 Uhr, Oktober bis März: 9 bis 16.30 Uhr
Eintritt frei