Ausstellung im Stadtmuseum: „Der erste Trickfilm! 100 Jahre Abenteuer des Prinzen Achmed“
Pressemitteilung vom 24.04.2026
Das Stadtmuseum Tübingen zeigt die neue Ausstellung „Der erste Trickfilm! 100 Jahre Abenteuer des Prinzen Achmed“. Dazu gibt es ein umfassendes Begleitprogramm aus Führungen, Film- und Musikabenden, Diskussionen sowie Lesungen, das unter www.stadtmuseum-tuebingen.de abrufbar ist. Die Ausstellung ist bis 14. Februar 2027 zu sehen.
Die Ausstellung
Die Ausstellung widmet sich einem der bedeutendsten Werke der Filmgeschichte. „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ ist zugleich ein Meilenstein des Animationsfilms. Lotte Reiniger (1899–1981) schuf diesen Film. Er gilt als der älteste noch erhaltene abendfüllende Animationsfilm und fasziniert bis heute durch seine unverwechselbare Ästhetik und erzählerische Kraft.
2026 feiert Reinigers erster Langfilm seinen 100. Geburtstag. Das Stadtmuseum widmet dem Jubiläum eine interaktive Ausstellung. Tübingen ist der unstrittige Ausgangspunkt, da sich seit 1981 der gesamte künstlerische und persönliche Nachlass von Lotte Reiniger im Stadtmuseum befindet. Aus diesem Grund sind in der Präsentation viele originale Exponate zu sehen. Daneben gibt es zahlreiche interaktive Angebote, die in enger Kooperation mit der Medienwissenschaft und dem AI-Center der Universität Tübingen entwickelt und umgesetzt wurden. Hier haben die Besucher_innen die Möglichkeit, die Inhalte aktiv zu erforschen und zu vertiefen.
Die Ausstellung eröffnet eine filmanalytische Perspektive auf das Werk und ist in thematische Kapitel gegliedert. Sie beleuchtet das Entstehungsumfeld, verschiedene künstlerische und kulturelle Einflüsse sowie die innovative Animationstechnik. Zudem wird die umfassende Rezeption des Films nachgezeichnet, die bis in die Gegenwart reicht. Am Ende der Präsentation können die Besucher_innen sich den gesamten einstündigen Film anschauen.
Die Entstehung
Der Film entstand zwischen 1923 und 1926 in der pulsierenden Kultur- und Kunstmetropole Berlin. Das Zusammentreffen avantgardistischer Künstler, Schriftsteller, Musiker und Regisseure sowie neue technische Möglichkeiten förderten die Entfaltung der verschiedenen Künste. In Literatur und Theater wurden ebenso neue Maßstäbe gesetzt wie in der Musik und im Film. In dieser kreativen Atmosphäre wuchs Lotte Reiniger auf und entwickelte ihre innovative Animationstechnik mit Scherenschnitten.
Zugleich war die Zeit geprägt von einer Faszination für den „Orient“, die sich in vielen künstlerischen Strömungen widerspiegelte und die Ästhetik beeinflusste. Erstmals erschienen alle Erzählungen aus dem arabischen, persischen und indischen Kulturraum von „1001 Nacht“ in deutscher Übersetzung. Aus diesem reichen Fundus stammt der Stoff für Reinigers Film.
Die Technik
Für die Umsetzung ihrer Trickfilme entwickelte Lotte Reiniger das Stop-Motion-Verfahren. Die Bewegung entsteht dabei nicht durch reale Aufnahmen, sondern wird künstlich erzeugt. Dazu werden die Figuren Bild für Bild minimal verändert und fotografiert. Werden die Einzelbilder mit einer Geschwindigkeit von 24 Bildern pro Sekunde abgespielt, entsteht der Eindruck einer flüssigen, harmonischen Bewegung.
Erstmals verwendete die Künstlerin dieses Verfahren für einzelne Szenen des Films „Der Rattenfänger von Hameln“ mit Paul Wegener. 1919 schuf sie ihren ersten eigenen Kurzfilm, bis sie 1923 das Angebot ihres Mäzens Louis Hagen erhielt, einen Langfilm („Die Abenteuer des Prinzen Achmed“) zu produzieren.
Doch bevor die Aufnahmen gemacht werden konnten, war viel Vorbereitung nötig, was die Ausstellung anhand von Drehbüchern, Tabellen, Skizzen, Studien und Zeichnungen dokumentiert.
Außerdem werden weitere Originalexponate aus dem Nachlass gezeigt, darunter Figuren und Filmhintergründe, die im Film eingesetzt und animiert wurden.
Die Rezeption
Die zeitgenössische Presse war begeistert und feierte Lotte Reinigers Film als „Wunderwerk“. Auch in Künstler- und Kollegenkreisen wurde der Film heftig diskutiert. Jean Renoir und Bertolt Brecht äußerten sich beeindruckt.
Mit ihrer Bildsprache und Technik setzte Lotte Reiniger Maßstäbe, die die Animationskunst stark beeinflussten und bis heute spürbar sind. So brachte Walt Disney 1937 mit „Schneewittchen und die sieben Zwerge” seinen ersten langen Märchen-Zeichentrickfilm in die Kinos. Die Ausstellung zeigt außerdem, wie weitere Regisseure, etwa Michel Ocelot oder Hannes Rall, Form und Technik heute noch anwenden. Und auch Musiker_innen inspiriert der Film bis heute zu eigenen Arrangements – die große Bandbreite der Ergebnisse ist in der Ausstellung zu sehen.