Oberbürgermeister Boris Palmer zur angekündigten Schließung des CureVac-Standorts Tübingen: „Das darf nicht das Ende einer Tübinger Erfolgsgeschichte sein“
Pressemitteilung vom 05.05.2026
Mit großer Bestürzung und scharfer Kritik reagiert Oberbürgermeister Boris Palmer auf die heutige Ankündigung, den CureVac-Standort Tübingen vollständig zu schließen und nahezu alle Beschäftigten zu entlassen.
„Das ist ein schwerer Schlag für Tübingen, für Baden-Württemberg und vor allem für die vielen hochqualifizierten Beschäftigten, die CureVac über Jahre getragen haben. Wer CureVac übernimmt, übernimmt nicht nur Patente, Technologie und Gebäude. Er übernimmt Verantwortung für Menschen, für einen Forschungsstandort und für ein Stück deutscher Innovationsgeschichte“, erklärt Oberbürgermeister Boris Palmer.
Besonders kritisch bewertet Palmer die Umstände und den Zeitpunkt der Entscheidung. Noch im Zuge der Übernahme wurde der Eindruck vermittelt, der Standort Tübingen könne im BioNTech-Konzern eine tragende Rolle im mRNA-Bereich spielen. Wenn nun nur vier Monate nach Vollzug der Übernahme die komplette Schließung des Standorts verkündet wird, beschädigt das Vertrauen – in Unternehmenszusagen, in Standortpolitik und in den Umgang mit öffentlich geförderter Forschungskraft.
„CureVac ist kein beliebiger Firmenname. CureVac ist in Tübingen entstanden – aus der Universität, aus der Arbeit von Pionieren wie Ingmar Hoerr und Hans-Georg Rammensee. Hier wurden bahnbrechende Grundlagen für die mRNA-Technologie gelegt. Hier standen Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Beschäftigte für eine Idee, die die Medizin weltweit verändert hat. Dieses Erbe darf nicht abgewickelt werden“, so Palmer.
Der Oberbürgermeister fordert BioNTech, die Landesregierung Baden-Württemberg, den Bund, die Universität Tübingen, das Universitätsklinikum und mögliche industrielle Partner auf, unverzüglich an einer tragfähigen Lösung zu arbeiten. Ziel müsse sein, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten, Forschung und Produktion in Tübingen zu sichern und das gewachsene Know-how nicht zu zerstören.
„Wir brauchen jetzt eine Baden-Württemberg-Lösung. Wenn ein Standort mit dieser Geschichte, dieser Infrastruktur und diesen Köpfen aufgegeben wird, verlieren wir nicht nur Arbeitsplätze. Wir verlieren Zukunft. Das darf nicht passieren“, erklärt Palmer.
Tübingen werde alles tun, um die Beschäftigten, den Betriebsrat und den Standort zu unterstützen. „Ich erwarte von BioNTech, dass keine unumkehrbaren Fakten geschaffen werden, bevor ernsthaft über Alternativen verhandelt wurde. Erst kaufen, dann killen, das geht so nicht. Die Universitätsstadt Tübingen steht bereit für Gespräche – aber wir erwarten auch Bereitschaft zur Verantwortung.“