Wohnraumbericht 2026 zeigt Lage auf dem Tübinger Wohnungsmarkt
Pressemitteilung vom 01.09.2026
Die städtischen Wohnraumbeauftragten haben mit dem Wohnraumbericht 2026 eine umfassende Analyse des Tübinger Wohnungsmarkts vorgelegt. Der Bericht betrachtet unter anderem die Entwicklung von Bevölkerung und Haushalten, den Wohnungsbestand, Mieten und Eigentumsverhältnisse sowie die Möglichkeiten der kommunalen Wohnungspolitik. Dabei zeigt sich: Das Bevölkerungswachstum hat sich zuletzt deutlich abgeschwächt, der Wohnungsmarkt in Tübingen bleibt aber angespannt. Der vollständige Wohnraumbericht ist auf der städtischen Internetseite abrufbar unter www.tuebingen.de/wohnraumbericht.
„Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum gehört zu den größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Nicht weil zu wenig getan wurde, sondern weil die Kräfte, die auf den Wohnungsmarkt einwirken, größer sind als das, was eine einzelne Kommune allein steuern kann. Die gute Nachricht ist: Tübingen hat in den vergangenen Jahrzehnten gezeigt, dass es anders geht. Dieser Bericht ist damit kein Schlusspunkt, sondern eine Grundlage“, sagt Baubürgermeister Cord Soehlke.
Die Mieten sind in den vergangenen Jahren weiter gestiegen. Im Jahr 2024 lag die durchschnittliche Angebotsmiete für ältere Wohnungen bei 14,04 Euro pro Quadratmeter, bei allen Neuvermietungen älterer Wohnungen waren es durchschnittlich 13,45 Euro. Bei der städtischen Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau Tübingen lag der entsprechende Wert mit 10,21 Euro deutlich niedriger. Der Bericht zeigt zudem, dass kommunale und genossenschaftliche Vermieter im Durchschnitt günstigere Mieten verlangen als viele private oder institutionelle Eigentümer.
Neubau allein kann diese Ungleichgewichte nach Einschätzung des Berichts nicht ausgleichen: Seit 2011 sind in Tübingen rund 5.000 neue Wohnungen entstanden, der Wohnungsbestand ist damit um knapp zehn Prozent gewachsen. Die strukturellen Ungleichgewichte haben sich dennoch nicht aufgelöst. So verfügen viele kleine Haushalte über vergleichsweise große Wohnungen, während knapp 900 Haushalte mit drei oder mehr Personen 2022 in weniger Zimmern als Personen lebten. Zugleich lag die marktaktive Leerstandsquote bei lediglich 1,2 Prozent.
Die Universitätsstadt Tübingen nutzt ihre Handlungsmöglichkeiten insbesondere über die Bodenpolitik, das Handlungsprogramm „Fairer Wohnen“, Konzeptvergaben und die städtische Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau. Bei städtischen Konzeptvergaben muss mindestens ein Drittel der Wohnungen langfristig gefördert sein. Die Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau hat von 2017 bis 2024 mehr als 450 Wohnungen neu gebaut und ihren Bestand um mehr als 300 Wohnungen erweitert. Insgesamt verfügt sie inzwischen über 2.284 Wohnungen, davon sind 852 gefördert. Gleichzeitig sind die direkten Steuerungsmöglichkeiten der Stadt begrenzt, da nur rund sechs Prozent der Wohnungen der Stadt oder kommunalen Wohnungsunternehmen gehören. Hinzu kommen deutlich gestiegene Bau- und Finanzierungskosten: Die Baupreise für Wohngebäude haben sich innerhalb von zehn Jahren um 65 Prozent erhöht.
Der Wohnraumbericht macht deshalb deutlich, dass Neubau nur dann zu bezahlbarem Wohnraum führt, wenn langfristige Bindungen, gemeinwohlorientierte Eigentumsformen und geeignete Förderbedingungen hinzukommen. Immer wichtiger werden aber auch wohnungspolitische Instrumente im bereits vorhandenen Wohnungsbestand wie die Herstellung von Rechtssicherheit bei den Miethöhen und die Aktivierung von bereits vorhandenem, untergenutztem Wohnraum.