Peter Weiss’ „Die Ermittlung“ kommt nach Tübingen: Vorverkauf startet am 8. September
Pressemitteilung vom 01.09.2026
Im Rahmen des Veranstaltungsprogramms zur Erinnerung an die Reichspogromnacht 1938 führt das Schauspiel Stuttgart am 8. November Peter Weiss’ „Die Ermittlung“ im Tübinger Landgericht auf. Der Vorverkauf startet bereits am Dienstag, 8. September. Interessierte können Tickets direkt über die Internetseite des Schauspiels Stuttgart bestellen unter www.schauspiel-stuttgart.de/spielplan/monatsplan
„Ich bin sehr dankbar, dass das Schauspiel Stuttgart mit seiner Inszenierung dieses wichtigen Theaterstücks nach Tübingen kommt. Das Gedenken rund um die Reichspogromnacht bietet einen bedrückend angemessenen Rahmen. Dieses Stück ist auch eine beklemmende Mahnung, dass wir Hass und Hetze gerade gegenwärtig in unserer Gesellschaft keinen Raum geben dürfen. Wir Deutschen wissen, wohin Abwertung und Ausgrenzung führen können. Mein ausdrücklicher Dank gilt daher der privaten Initiatorin aus der Bürgerschaft, die die Aufführung nach Tübingen geholt hat, den zahlreichen Förderern sowie dem Landgerichtspräsidenten für seine Bereitschaft, den Schwurgerichtssaal für die Aufführung zur Verfügung zu stellen“, sagt Sozialbürgermeisterin Dr. Gundula Schäfer-Vogel
Zwischen Dezember 1963 und August 1965 fand in Frankfurt am Main der erste Auschwitz-Prozess statt. Vor Gericht standen Verantwortliche für das Funktionieren der Vernichtungsmaschinerie in Auschwitz. Die Konfrontation mit den Frankfurter Auschwitz-Prozessen war für die Bundesrepublik Deutschland und ihre Politik in den 1960er-Jahren prägend.
Peter Weiss nahm als Zuschauer an dem Prozess teil. Sein dokumentarisches Theaterstück basiert auf den Prozessprotokollen. Er verdichtete den Prozess zu einem „Oratorium“. In elf Gesängen treten Zeuginnen und Zeugen, Angeklagte, Richter und Verteidiger auf und schildern, was in Auschwitz geschah.
Das Stück konfrontiert Täter und Opfer miteinander. Es berichtet von der Entmenschlichung im Lager und dem Versuch zu überleben ebenso wie vom Verschweigen, Leugnen und Verdrängen der Täter. Durch den Verzicht auf die Rekonstruktion individueller Erlebnisse und die Konzentration auf die Abläufe und Strukturen wird das Grauen der systematischen Vernichtung deutlich.
Der erste Frankfurter Auschwitz-Prozess dauerte knapp zwei Jahre. „Die Ermittlung“ zählt zu den erfolgreichsten deutschen Theaterstücken der Nachkriegszeit. 1965 wurde der Theatertext gleichzeitig an 15 west- und ostdeutschen Theatern sowie von der Royal Shakespeare Company in London uraufgeführt.
Die Aufführung ist eine Veranstaltung des Schauspiels Stuttgart in Kooperation mit dem Landgericht Tübingen unter der Schirmherrschaft von Bürgermeisterin Dr. Gundula Schäfer-Vogel mit Unterstützung der Tübinger Stolpersteininitiative. Da im Schwurgerichtssaal nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen zur Verfügung steht, empfiehlt es sich, früh Karten zu kaufen.