Gewerbemietpreisreport schafft Orientierung für die Innenstadt
Pressemitteilung vom 14.07.2026
Welche Mietpreise zahlen Gewerbetreibende in der Tübinger Innenstadt? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer breit angelegten Auswertung durch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Tübingen mbH (WIT). Antworten gibt der jetzt vorliegende Gewerbemietpreisreport: Er zeigt das aktuelle Mietpreisniveau für gewerbliche Flächen und soll Vermieter_innen und Gewerbetreibenden eine Orientierung geben.
„Eine attraktive Innenstadt lebt von einer vielfältigen Mischung aus Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungen. Der Gewerbemietpreisreport schafft mehr Transparenz und kann dabei helfen, realistische Mietvorstellungen zu entwickeln“, sagt Oberbürgermeister Boris Palmer. Der ausführliche Bericht ist als PDF-Datei unter www.tuebingen.de/wit-mietpreisreport abrufbar.
Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:
- Die durchschnittliche Nettokaltmiete in der Tübinger Innenstadt liegt bei rund 22 Euro pro Quadratmeter im Monat. Der Median, also der mittlere Wert, beträgt 20 Euro pro Quadratmeter. Der überwiegende Teil der ausgewerteten Mieten bewegt sich zwischen 15 Euro und 25 Euro pro Quadratmeter. Gleichzeitig zeigt der Report eine große Spannbreite: Sie reicht von drei Euro bis 59 Euro pro Quadratmeter. Das verdeutlicht, dass Lage, Größe, baulicher Zustand und Nutzung eine große Rolle spielen.
- Die Altstadt weist ein höheres Mietniveau auf als die südliche Innenstadt: In der Altstadt liegt die durchschnittliche Nettokaltmiete bei 22,66 Euro pro Quadratmeter, in der südlichen Innenstadt bei 17,31 Euro. Wegen der tendenziell größeren Flächen in der südlichen Innenstadt und der geringeren Zahl an Rückmeldungen aus diesem Bereich sind die Werte allerdings nur eingeschränkt miteinander vergleichbar. In den besten Lagen (1a-Lage) liegt die durchschnittliche Miete bei 29,50 Euro pro Quadratmeter, in den übrigen Innenstadtlagen beträgt sie 20,90 Euro.
- Auch die Größe der Fläche wirkt sich aus: Kleinere Flächen erzielen tendenziell höhere Quadratmetermieten als größere Einheiten. Knapp die Hälfte der ausgewerteten Mietflächen ist kleiner als 100 Quadratmeter.
- Differenziert nach Nutzungsart zahlen Gastronomie und Einzelhandel im Durchschnitt die höchsten Mieten: Für Gastronomieflächen liegt der Wert bei 24,61 Euro pro Quadratmeter, für Einzelhandelsflächen bei 23,53 Euro. Dienstleistungsflächen liegen mit 14,75 Euro deutlich darunter. Reine Büromieten ab dem ersten Obergeschoss wurden nicht erfasst. Nur sechs Prozent der Mietverträge enthalten einen Umsatzanteil.
Der Gewerbemietpreisreport soll beiden Seiten eine bessere Grundlage für Gespräche geben: Gewerbetreibende erhalten Anhaltspunkte, welche Mieten in vergleichbaren Lagen üblich sind, und Vermieter_innen können ihre Preisvorstellungen besser einordnen. „Wir hoffen, dass die Auswertung dazu beiträgt, überhöhte Mietforderungen zu vermeiden und passende Nutzungen für leerstehende oder freiwerdende Flächen zu erleichtern“, sagt Thorsten Flink, Geschäftsführer der WIT. Der Report hat aber keine verbindliche Rechtsgrundlage und ersetzt keine professionelle Bewertung einzelner Objekte.
„Der Gewerbemietpreisreport schafft eine sachliche Grundlage für Gespräche über Gewerbemieten in der Innenstadt. Für Betriebe sind Transparenz und Verhältnismäßigkeit wichtige Faktoren, wenn es um Standortentscheidungen und langfristige Perspektiven geht“, ergänzt Stephan Braun, Vorstandssprecher des Handel- und Gewerbevereins Tübingen.
Der Mietpreisreport wurde als Maßnahme im Rahmenplanungsprozess für die Tübinger Altstadt erarbeitet. Dafür haben das Planungs- und Gutachterbüro Stadt + Handel Beckmann und die Föhrer Stadtplaner GmbH im Auftrag der WIT Bestands- und Angebotsmieten ausgewertet. Die Datenerfassung lief von April bis August 2025, hinzu kam eine vierwöchige digitale Befragung von Betrieben und Eigentümer_innen im Sommer 2025. Zusätzlich wurden Angebotsmieten von Flächen im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss auf einschlägigen Internet-Plattformen erhoben.
Insgesamt konnten 145 Datensätze ausgewertet werden, das entspricht 29,5 Prozent der 492 relevanten Betriebseinheiten in der Innenstadt. Darunter sind 122 Rückmeldungen aus der Befragung sowie 23 Angebotsmieten. Bezogen auf die rund 300 direkt kontaktierten Betriebe und Eigentümerinnen und Eigentümer liegt der Rücklauf bei rund 40 Prozent.