Invasive Tierarten
Invasive Tierarten sind gebietsfremde Arten, die oft durch den Menschen unbeabsichtigt eingeführt oder eingeschleppt werden. Einige von ihnen breiten sich stark aus und können dabei heimische Tiere oder Pflanzen verdrängen. Auch in unserer Stadt kommen einzelne dieser Arten bereits vor:
Große Drüsenameise
Die Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) kommt ursprünglich aus Nordafrika und wurde unabsichtlich durch den Güterverkehr nach Deutschland gebracht. Da hier natürliche Feinde wie andere Ameisenarten und Echsen fehlen, kann die Art Superkolonien mit bis zu Tausenden Königinnen bilden. Die Ameisen leben in Nestern, die bis zu einen Meter Tiefe erreichen.
Wie erkenne ich die neue Ameisenart?
Es handelt sich um schwarze Tiere mit unterschiedlichen Körpergrößen. Die Länge variiert zwischen 2,5 und 3,5 Millimetern. Typisch sind breite Spuren und mehrspurige Ameisenstraßen sowie Sandauswurf am Nest (vor allem am Bordstein oder an der Fassade). Wenn die Tiere in ihrem Nest gestört werden, strömen sie zahlreich heraus und attackieren den Angreifer.
Zur Bestimmung der Ameisenart wird meist der Reib- und Geruchstest durchgeführt. Die Tiere der Tapinoma magnum riechen beim Zerdrücken auffällig nach Aceton oder ranziger Butter. In der Regel sind mindestens acht von zehn Tieren geruchlich eindeutig auffällig, sodass eine Bestimmung gut möglich ist.
Wer ist zuständig für die Bekämpfung?
Das Bundesamt für Naturschutz hat die Tapinoma magnum mittlerweile als etablierte Art eingestuft. Deshalb gibt es keine landesweit koordinierte Ausbreitungsbekämpfung.
Da die Art keine Bedrohung für andere bedrohten Arten darstellt, ist die untere Naturschutzbehörde nicht betroffen. Die Bekämpfung auf öffentlichen Flächen ist deshalb Sache der Kommunen.
Wie geht die Stadtverwaltung vor?
Verdachtsfälle und Sichtungen können per E-Mail an ordnung
tuebingen.de mitgeteilt werden. Die Fachabteilung Ordnung und Gewerbe koordiniert die eingegangenen Meldungen, dokumentiert die Standorte und prüft, ob es sich um eine öffentliche oder private Fläche handelt.
Bei einem Befall auf öffentlicher Fläche bestimmen die Kommunalen Servicebetriebe Tübingen die Ameisenart und beurteilen das Ausmaß vor Ort. Im Fall einer Gefahr für die öffentliche Infrastruktur wird die Stadt gegen die Ameisen vorgehen. Bislang ist dies noch nicht der Fall.
Die Fachabteilung Ordnung und Gewerbe ist im engen Austausch mit Fachleuten und mit anderen Kommunen, in denen die neuen Ameisen ebenfalls aufgetreten sind.
Was können Privatpersonen tun?
Bei einem Befall auf einer privaten Fläche sind die Eigentümer_innen selbst zuständig. Betroffene sollten einen Schädlingsbekämpfer einschalten, der die Ameise identifizieren und gegebenenfalls auch professionell bekämpfen kann.
Von Fachleuten bestätigte Sichtungen der Ameisenart Tapinoma magnum sollten bei der Stadt gemeldet werden (E-Mail an ordnung
tuebingen.de).
Das Landesnaturkundemuseum in Karlsruhe koordiniert ein landesweites Forschungsprojekt zur Ausbreitung der Tapinoma magnum. Dort können die Sichtungen zusätzlich gemeldet werden.
Asiatische Hornisse
Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) ist eine aus Südostasien stammende, invasive Wespenart, die sich seit einigen Jahren auch in Deutschland ausbreitet. Auch in Tübingen ist sie mittlerweile angekommen.
Wie erkenne ich die neue Hornissenart?
Sie ist etwas kleiner als die heimische Europäische Hornisse und fällt durch ihren dunklen Körper mit gelben Beinenden auf. Bestimmungshilfen und Bilder gibt es unter https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/natur-und-landschaft/asiatische-hornisse.
Die Asiatische Hornisse baut zwei Nester. Das im Frühjahr von der Königin gebaute, etwa handballengroße Gründungsnest (Primärnest) hängt meist in Schuppen oder Sträuchern, teils auch in Bodennähe. Die Filialnester (Sekundärnester) entstehen im Sommer und befinden sich meist frei hängend in mehr als zehn Metern Höhe in Bäumen. Das Einflugloch liegt seitlich am Nest.
Was können Privatpersonen tun?
Wird ein Nest vermutet oder eine auffälligen Häufung von Hornissen gesichtet, sollte Abstand gehalten und keine eigenständigen Entfernungsversuche unternommen werden.
Generell sollte Ruhe bewahrt und Panik vermieden werden. Die Asiatische Hornisse stellt in den meisten Fällen keine direkte Gefahr für Menschen dar, kann jedoch im unmittelbaren Nestumfeld aggressiv reagieren. Wie bei allen Insektenstichen sind allergische Reaktionen möglich. Bei Stichen im Hals- und Kopfbereich sollte immer der Notruf gewählt werden. Umsichtiges Verhalten hilft, Konflikte zu vermeiden und die Ausbreitung besser zu kontrollieren.
Wichtig ist eine schnelle Meldung: Sichtungen oder Nestfunde sollten über das Meldeportal des Landes gemeldet werden unter https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/natur-und-landschaft/asiatische-hornisse-melden.
Sichtungen im öffentlichen Raum und auf städtischen Grundstücken sollten zusätzlich sollten bei der Stadt gemeldet werden (E-Mail an ordnung
tuebingen.de).
Asiatische Tigermücke
Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) breitet sich zunehmend auch in unserer Region aus. Sie kann Krankheitserreger wie Dengue-, Chikungunya- oder Zika-Viren übertragen. Daher ist es wichtig, ihre Vermehrung einzudämmen.
Woran erkennt man sie?
Typisch ist das schwarz-weiße Muster mit einem weißen Streifen auf dem Rücken sowie weiß geringelte Beine. Die Mücke ist klein (3 bis 8 Millimeter) und fliegt nahezu lautlos. Sie sticht vor allem tagsüber und ist sehr stichfreudig.
Was können Privatpersonen tun?
Tigermücken legen ihre Eier in kleinsten Wasseransammlungen ab. Bereits eine Wasserhöhe von zwei Zentimetern über einen Zeitraum von einer Woche reicht dafür aus. Durch einfache Maßnahmen im Garten oder auf dem Balkon lässt sich die Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke wirksam reduzieren:
• stehendes Wasser einmal wöchentlich ausleeren (beispielsweise Untersetzer, Eimer)
• Regentonnen und Behälter komplett mit einem engmaschigen Netz abdecken
• Dachrinnen und Abläufe sauber halten
• Gießkannen und Geräte trocken lagern
• bei Bedarf Bti-Tabletten einsetzen.
Flyer Die Asiatische Tigermücke des Landesgesundheitsamtes Stuttgart